Entdeckungsgeschichte der Altensteiner Höhle

von Rainer Fohlert

Der Südrand des Altensteiner Riffs

Schon seit Urzeiten war den Einwohnern der Gegend eine kräftig schüttende Quelle bekannt, die seit langer Zeit zum Antrieb von Mühlen und Anlagen der Schmelzhütte genutzt wurde. Auch die Herkunft des Wassers war durch die Be-obachtungen der Bergleute, zumindest teilweise bekannt. HEIM schreibt in seiner Hennebergischen Chronika 1767, daß beobachtet wurde, wie “Knotten und Häckerling”, die in die Grubenwässer der Atteröder Gruben geworfen wur-den, in der Glücksbrunner Quelle wieder zutage treten.

Nördlich der Höhle befand sich seit etwa dem Jahr 700 (es findet sich in der Literatur auch die Jahresangabe 531) die Burg Stein. Mit dem Erlöschen des Geschlechts derer von Hundt, fällt die Burg und das Amt Altenstein 1722 an die Meininger Herzöge. 1733 brennt das Schloß aus und wird wieder aufgebaut.

Der seit 1782 regierende Herzog Georg I. legt 1798 den Grundstein für den Land-schaftspark auf dem Altenstein. In den Park werden auch die vielen im Riff gefundenen Kleinhöhlen einbezogen, so ist noch heute eine Parkwanderung auch eine romantische Höhlenwanderung. Auch das Schloss wird neu gestaltet und erhält eine neue Zu-fahrtsstraße. Am südwestlichen Ende des Altensteiner Riffes ist zu diesem Zweck ein Felsen zu beseitigen.

Die Chronik über das Kirchspiel Schweina, geführt von Johannes WALCH, Pfarrer zu Schweina und Liebenstein erhält 1800 folgenden Eintrag, der von der Höhlen-entdeckung am 28.6.1799 kündet:

Die Entdeckung der großen Höhle
Unstreitig war die Entdeckung der Höhle unter dem Hohlen Stein hinter dem Glücksbrunnischen Garten im Junius dieses Jahres das Merk-würdigste für die hiesige Gegend. Die beiden Bergleute Valtin Göcking und Johannes Schulz von hier sprengten Felsen zur Anlage der Chaussee und es zeigte sich am Ende des Hohlen Steins eine Öffnung 1/2 Schuhes breit und 5 Schuhe lang, aus welcher Wetter also Luft gingen. Sogleich wurde sie auf der Stelle erweitert und schon am ersten Tage mußte Göcking die Höhle, welche 10 Schuh tief war, genauer untersuchen. Unten zeigte sich wieder eine Öffnung, von der Größe eines kleinen Kellers nach Osten zu, in welche man den 16jährigen Bergbursch Christoph Horst hinunter schob. Hier zeigte sich abermals eine Kluft, durch welche sich Schulz zuerst wagte und aufs Neue eine Höhle von der Größe und Höhe einer Rute entdeckte …

Nachdem zunächst beabsichtigt war, den Eingang in die Höhle wieder zu verfüllen entscheidet Herzog Georg I., der die Höhle am Tag nach der Entdeckung besichtigt, die Höhle zu erschließen. Johannes WALCH schreibt weiter:

Eine Entdeckung führte nun zur andern und so gelangte man schon dieses Jahr bis an das Glücksbrunner unterirdische Wasser. Die Arbeiten wurden auch im Winter fortgesetzt. Die in der Höhle gefundenen Knochen sollen nach der seltsamen Hypothese des Prof. Blumenbach Reste des Höhlenbärs, einer aufgegangenen Tiergattung, sein. So war doch ihre Erscheinung auf einmal erklärt und man beseitigte dabei alte Geogonire der Alten, die sie in Mythen vortrugen.

Nachdem die Erschließung anfangs durch den Entdeckungsschacht erfolgt, entschließt man sich, den Stollen zu schaffen, durch den wir noch heute die Höhle betreten. Schon 1800 kann der Besucher auf diese bequeme Weise die Höhle betreten.
Die Höhle wird zunächst regelmäßig an jedem Montag beleuchtet. Auch Musik wird an diesen Öffnungstagen gespielt. Aus Kostengründen wird später wieder von dieser Regelmäßigkeit abgegangen – die Geldeinlage in der aufgestellten Büchse sind zu gering. In den folgenden Jahren wird die Höhle an Sonntagen von 10 bis 12 Uhr erleuchtet, der Eintritt wird auf 24 bis 30 kr festgelegt.

Im Meininger Taschenbuch für das Jahr 1802 findet sich ein anonymer Artikel der die ersten Erschließungen zusammenfaßt. Ein erster Höhlenplan und eine Beschreibung werden veröffentlicht. Beides wird in den folgenden Jahren immer wieder von anderen Autoren wiedergegeben. Diese erste umfassende Beschreibung wird heute Herzog Georg I. zugeschrieben.

Abb. 2 Der erste Höhlenplan aus dem Artikel im Meininger Taschenbuch von 1802.

Durch seinen frühen Tod 1803 kann Herzog Georg I. die Erschließung nicht vollenden. Im April des Jahres 1827 wird, ausgehend vom Landungssteg eine 100 Fuß lange Fortsetzung entdeckt, der Höhlenbach erneut erreicht. Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch die umfangreichen Umgestaltungen im Bachgang unter der Schauhöhle aus dieser Zeit stammen. Das bekannte Höhlenende befindet sich jetzt am Abzweig zum noch unbekannten Morgentordom. Der schmale Gang zum heutigen Schauhöhlenende ist nur auf ca. 3m Länge bekannt. Auch bei diesen Arbeiten werden wieder Bärenknochen gefunden.

Die folgenden etwa 120 Jahre bringen keine Neuentdeckungen.  Am Höhlensee, an der Stelle, die heute Postament und Herzogsbüste einnehmen, wird 1802 der “Papierne Tempel” errichtet, dessen Reste im Januar 1869 wieder abgerissen werden. Das Aussehen des Tempels ist durch alte Stiche überliefert. Er zeugt, wie viele Berichte und Spuren des damaligen Höhlenausbaus, von den romantischen Vorstellungen dieser Zeit. Das Postament wird etwa zur gleichen Zeit in die Höhle gebracht, es erhält zunächst Gipsbüsten, die offenbar immer wieder erneuert werden müssen.  Es wird auch beschrieben, dass es in der ersten Zeit an seiner Vorderseite ein „G“ zur Erinnerung an Herzg Georg I. zeigte.

Die malerischste Höhlenbeschreibung ist von Ludwig Storch 1839 verfaßt worden:

Die Sonntagsfrühe hat ihren hehren Glanz über die ruhige, engelmild lachende Gegend ausgegossen; wir halten einen stillen feierlichen Gottesdienst, indem wir langsamen Schritts durch Altensteins wechsel-vollem Naturtempel wandeln südlich hinab nach Glücksbrunn zu. Gegen Mittag am Fuße des felsenreichen Berges angelangt, erblicken wir hart an der Chaussee, auf einem mit Linden überschatteten Platze, einen gewölbten, mit einer Kreuzthüre versehenen (die nur jedesmal einen Menschen einzutreten gestattet) Eingang in den Berg. Hier steht und sitzt eine beträchtliche Anzahl Bemantelter, und auch wir thun wohl daran, uns warm zu bekleiden; denn obgleich das Kreuz der Thüre den Eingang stets verschlossen hält, so viel sie auch in der Angel gedreht wird, um den Luftzug zu verhindern, so ist dieser doch noch stark und eiskalt im Stollen, was zur Sommerwärme außen einen starken Gegen-satz bildet. Die Temperatur in der Höhle selbst ist dagegen gemäßigt. Sobald wir durch den steingewölbten geraden ohngefähr 25 Schritt langen Stollen geschritten sind, befinden wir uns in einer der größten und merkwürdigsten Höhlen Deutschlands, die Altensteiner oder Lieben-steiner, auch wohl Glücksbrunner Höhle genannt. Magischer Lichtglanz strömt uns entgegen; denn die ganze Höhle ist mit unzähligen bunten Glasampeln und Lämpchen erleuchtet. Gleich, sobald man die eigent-liche Höhle betreten hat, gewahrt man zur Linken eine kleine Neben-höhle oder Seitenkammer, die den etwas seltsamen klingenden Namen „Knochenversammlung“ führt. Bald darauf tritt man durch eine Wetter-thüre in die Haupthöhle und hat nun zur Rechten eine zweite Neben-kammer; nach 20 bis 25 Schritten erweitert sich der Gang beträchtlich und streicht in nordwestlicher Richtung bis zum „großen Saal“, einer geräumigen hoch emporspringenden felsgewölbten Halle, aus deren Höhe, die über 40 Fuß beträgt, wundervoll mächtige, grottesk ge-staltete Felsmassen herabhängen. Der Raum dieses Saals kann immer-hin gegen hundert Menschen fassen. Zur Linken sieht man auf der Plattform einer 30 Fuß hohen Felsenwand einen mit einem Eisen-geländer gesicherten Altan, zu welchem man weiter hinten in einem Seitengange auf 40 Steinstufen emporsteigt. Er ist der Standpunkt des Musikchors. Dem Altan gegenüber an der rechten Seite des Saals läuft eine Strecke in den Berg ein andrer Nebenarm ab, in dessen Tiefe ein zweites Musikchor aufgestellt ist, welches das Echo des ersten bildet. Diese Musik mit ihrem verschwebenden Echo ist bei der wundervollen Beleuchtung im tiefen Schoose des Berges von unbeschreiblich er-greifender Wirkung. Man wähnt sich in eine glanz- und harmonie-fluthende Feenwelt versetzt. Dazu kommt, daß die Leitungen der herzoglichen Kapelle das Gepräge der höchsten Virtuosität tragen, und selbst ungewöhnliche künstlerische Ansprüche befriedigen. Vom großen Saal läuft der sich verengernde Hauptgang, zur Rechten eine stützende Mauer im Bogen bestreichend, und wendet sich dann rechts zum „kleinen Saal“. Von dieser nicht minder weiten und hohen Halle sehen wir rechts wieder einen 36 Schritte langen Seitengang abstreichen, der wahrscheinlich mit dem frühern in Verbindung steht und sich wohl noch weit in den Berg senkt, nur noch nicht ausgegraben und erweitert ist. An der Decke am Ende des Ganges sieht man die Höhle einige Fuß hoch fortlaufen. Gerade vor sich erblickt man im kleinen Saal erst einige halbrunde, dann ohngefähr 12 gerade Stufen, auf welchen man zu einer zweiten Plattform emporsteigt. Hier befinden wir uns in einer artigen Grotte, befremdendes Geräusch stürzender Gewässer schlägt an unser Ohr, neuer Lichtglanz steigt im Hintergrunde blendend aus der Tiefe herauf; wir treten an eine Oeffnung im Boden, die mit Steinen ein-gefaßt ist, und blicken überrascht auf einen in der Tiefe wogenden hell erleuchteten Wasserspiegel. Ein aus dem Innern des Bergs mit Gebraus hervorbrechender Bach stürzt da vorüber und verschwindet wieder; Entzückungsschauer vor der unterirdischen feenhaften Pracht dieses Anblicks beben durch unsre Seele. Nie hat dein Auge etwas Aehnliches erblickt. Die bunten Mährchen deiner Kindheit sind zur Wirklichkeit ge-worden; der Berg hat seine fabelhaften Wunder vor dir aufgeschlossen, das Zaubergespinnst der Poesie greift hier in die materielle Welt über und umgarnt dich mit goldenen Lichtfäden; Steinwölbung, Felszacken und Wasserfluth sind so magisch überflammt und wunder-bar roth angestrahlt, schattenhafte Gestalten drängen da unten, das melodische Rauschen des Wassers vermählt sich mit den leisen Harmonien der fernen Musik, die an den Felswänden hinflüstert, es ist Alles so ungewöhnlich prächtig, so seltsam herrlich, so zauberisch schön, daß du Augenblicke lang dich von Traumbildern umgaukelt wähnst. Vom kleinen Saal links schlingt sich noch ein enger Höhlengang im Boden bis zur andern Seite des Wassers. Von hier überblickt man den kleinen Teich und besteigt den acherontischen Kahn,

Altensteiner Höhlensee

Abb. 3 Ein historischer Stich von 1838 zeigt den “Papiernen Tempel” am See in der Altensteiner Höhle.

der uns zu einem in den Felsen hineingebauten antiken Tempel, der „papierne Tempel“ genannt, und zu einem kleinen Wasserfall führt. Der Eindruck, unter der roth angestrahlten mächtigen Felsenwölbung auf der dunklen Fluth hinzuschiffen, ist so ungemein schauerlich und er-greifend, daß Worte ihn nicht wieder zu geben vermögen; aber alle in unsrer Jugend empfangenen ungewissen Bilder der griechischen Unter-welt erhalten hier plötzlich Leben, und Farbe und bestimmte Gestalt.
Am Ende der Höhle sieht man in der Vertiefung deutlich, daß sie, wer weiß wie weit fortgesetzt werden könnte. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß man tiefer im Berge noch weit geräumigere Hallen entdecken würde. Der bis jetzt zugänglich gemachte Theil der Höhle beträgt an 500 Fuß. Der Boden ist durchgängig gut gebahnt, und an keiner Stelle das Fortkommen mit einer Unbequemlichkeit verknüpft. – Einen andern, geheimnißvollen und schauerlichen Eindruck macht die Höhle, wenn man sie an andern Tagen allein mit einem Führer besucht und ihre Partien einzeln mit einer Fackel beleuchtet. Das an den Stein-zacken und vorspringenden Blöcken der Wölbung gebrochene Licht und die tiefen Schlagschatten haben eine überwältigende Wirkung auf das ernst gestimmte Gemüth. –
1799 (am 28. Juni) beim Bau der Chaussee von Liebenstein nach Altenstein durch Zufall entdeckt, in dem die Arbeiter seitwärts auf eine in die Tiefe gehende Oeffnung von 1 Fuß Breite und gegen 3 Fuß Länge trafen, aus welcher ein starker kalter Luftzug drang. Diese Kluft wurde sogleich zugestürzt, aber nach einigen Tagen war sie wieder geöffnet, und das Thermometer stand in ihr auf 6° ° nach Reaumur, was bei der heißen Witterung sehr auffallen mußte. Der Herzog ließ daher die Oeffnung erweitern und schickte Bergleute hinab und die Wichtigkeit der Entdeckung feuerte seinen Eifer noch mehr an. Man kam nach einiger Arbeit durch einen anfangs tonnlägigen, durch das nachherige Aufräumen aber vertikalen, 20 Fuß tiefen Eingang in eine Höhle, die abwechselnd 6 bis 12 Fuß hoch, 3 bis 12 Fuß breit und an 35 Fuß lang war. Ein vor einer Oeffnung liegender großer Stein verhinderte das weitere Vordringen; allein die noch immer heftig herausströmende Luft, die ein davor gehaltenes Licht sogleich auslöschte, verbürgte eine weitere Fortsetzung der Höhle. Fortgesetzte Arbeit, obgleich mehrmals auf ähnliche Weise unterbrochen, wurde doch durch immer schönere Erfolge gekrönt, bis man an ihr scheinbares Ende gelangte. Sie wurde daher aus einer Reihe an einander gereihter Höhlen gebildet, die bald enge, bald weit, bald niedrig, bald hoch waren. Die Sohle hob und senkte sich und oft mußte man über große und eingebrochene Felsstücke hinwegsteigen oder darunter durchkriechen. Durch zwei-jährige rastlose Arbeit ward sie so weit aufgeräumt, daß man mit der größten Bequemlichkeit ihre ganze Länge hindurchgehen konnte. Die ganze Höhle war trocken; man fand nur einen feinen Schlamm von 1 bis 2 Zoll Dicke auf der Sohle wie an den Felsstücken der Wände, der aus zarten Kalktheilchen und feinen Glimmerblättchen bestand. Beim Aufräumen und Ebnen des Bodens fand man gleich anfangs einen für den Naturforscher hochwichtigen Schatz, eine große Anzahl in Schlamm und Schmutz gehüllter schwarzbräunlicher Knochen. Ueberbleibsel einer untergegangenen Schöpfung, Zeugen einer verschwundenen Weltord-nung, von der wir nichts wissen, kaum etwas ahnen. Naturforscher entdeckten bald, daß sie von einem antidiluvianischen Bärengeschlecht stammten, welchem Blumenbach den Namen „Höhlenbär“ beilegte. Ein großer Theil dieser riesigen Knochen ist auf dem herzoglichen Natur-alienkabinet zu Meiningen aufbewahrt, und man betrachtet sie dort mit staunender Ehrfurcht. Meist lagen sie in der von ihnen benannten ersten Seitenkammer übereinander geschichtet, und bestanden aus Ober- und Unterkiefer-, Schenkel-Beinen, Zähnen u.s.w. Einige Zeit darauf fand man auch zwei Oberköpfe dieser Thiere, die den Bau des Kopfes, wenn auch nicht vollständig, errathen ließen. Aus der Menge und verschiedenen Größe dieser Knochen und Zähne ließ sich schließen, daß eine große Anzahl solcher Thiere, sowohl alte als junge, darin ihr Grab gefunden; und da wohl selten oder nie Raubthiere – und dies waren sie doch allen Anzeigen nach – in Gesellschaft von 30 bis 40 Stück und mehren Stücken zusammen wohnen, so wurde wahr-scheinlich, daß sie bei einer großen Ueberschwemmung, auf welche auch die angeführte Sage hindeutet, in dieser Höhle Schutz gesucht und darin durch das steigende Wasser den Tod gefunden haben. – Der Ausbau der Höhle ging mit der Anlage des Naturparks rasch Hand in Hand. In den ersten Jahren war das zuströmen der Menge über alle Begriffe groß, und jetzt noch geht kein Reisender an der Höhle vorüber. Im April 1827 wurde ein neuer, ohngefähr 100 Fuß langer Gang entdeckt, in welchem man auch einige Thierknochen fand.“

L. Storch

Wichtig in diesem Text ist für uns heute auch die Nennung der ursprünglichen Namen für einige Höhlenteile. Der Entdeckungsgang wird aufgrund Knochenfunde als “Knochenversammlung” bezeichnet, der Blick von der Domterrasse auf den See wird schon als “Unheimliche Tiefe” bezeichnet, obwohl hier die Verwendung als Eigenname noch nicht eindeutig ist.

Ein in der Nähe der Altensteiner Höhle bekanntes Höhlenmundloch wird um 1850 ausgegraben. Diese Höhle ist vollständig mit Buntsandsteinsedimenten verfüllt, der Durchstoß zur Altensteiner Höhle gelingt nicht. Später erhält diese Höhle den Namen Blechschmidthöhle.

1909 erhält die Höhle elektrische Beleuchtung durch die AEG Erfurt.

Aufräum- und Ausgrabungsarbeiten in der Altensteiner Höhle nach dem 2. Weltkrieg. Aufnahme vom 1. April 1952.

Abb. 4 Aufräum- und Ausgrabungsarbeiten in der Altensteiner Höhle nach dem 2. Weltkrieg. Aufnahme vom 1. April 1952.

Nach dem Zweiten Weltkrieg liegt auch der Schauhöhlenbetrieb am Boden. Im Krieg wurde sie als “Luft-schutzkeller” genutzt, ihr Zustand wird als “verwüstet” bezeichnet.
Schweinaer Höhlenfreunde um den Höhlenführer Kurt Lohfing übernehmen am 1.4.1951 den Höhlenbetrieb. Sie erschließen neue Höhlenabschnitte.
Karl Gruber berichtet 1957 in den Salzunger Monatsheften, daß zwischen 1951 und 1957 über 11000 Stunden in der Höhle geleistet wurden. Verschiedene Seitengänge der bekannten Höhle wie Fledermaus-höhle, die obere Seegrotte (?) und das Kaffestübchen werden weiter ausgegraben. Der Gang zum Morgen-tordom wird freigeräumt, es entsteht der Plan für einen zweiten Ausgang. Im Bachgang wird der Gang bis zum heutigen Schauhöhlenende erschlossen. Damit ist der Weg frei bis zum Saal des Pik Otto. Die über weite Ab-schnitte am Höhlenbach entlangführenden Wege sind in dieser Zeit angelegt worden. Bei den Arbeiten finden die inzwischen im Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Bad Liebenstein 2 (damit ist der damalige Liebensteiner Ortsteil Schweina gemeint) organisierten Höhlenforscher wieder Höhlenbärenknochen.

In diesen Jahren hat die Höhle 50-60.000 Besucher.

Die Planung eines zweiten Ausgangs der Höhle, der Rundführungen ermöglichen soll führt zu einer modernen Vermessung der Höhle durch den Markscheider der damaligen Thüringer Spat- und Eisenerzgruben Schmalkalden. Es entstehen zwischen 1954 und 1957 Pläne, die auch den geplanten Ausgangsstollen enthalten. Der Bachablauf aus dem See und der Bachgang zwischen Schlammgang und Pik Otto sowie einige enge Seitengänge werden jedoch nicht vermessen.

Ende der fünfziger Jahre verschwindet das Holzhäuschen vor der Höhle und das heutige Kassenhaus wird errichtet. Anfang der sechziger Jahre wird der Ausgangsstollen in den Berg getrieben.

Als sich der Stollen im Hangbereich der Oberfläche nähert, kommt es zu Einbrüchen. Diese führen kurz vor Vollendung des Vorhabens zur Aufgabe. Der einzige Nutzer des Ausgangssstollens ist heute eine Kleine Hufeisennase, die seit Jahren dort ihren Winterschlaf hält.

In den siebziger Jahren (?) erhält die Höhle die heutige Beleuchtungsanlage.

Sondershäuser Höhlenforscher besuchen 1980 die Höhle und entschließen sich, die Vermessungen der fünfziger Jahre zu ergänzen. In den folgenden Jahren wird der Höhlenplan weiter vervollständigt, der Schlammgang weiter erkundet und erstmalig durchgehend befahren. Am Höhlenende versuchen die Höhlenforscher den Verbruch am Pik Otto zu überwinden.

Altes Kassenhäuschen

Abb. 5 Eine Aufnahme von Karl Gruber aus dem Jahr 1955 zeigt das alte Kassenhäuschen, das Ende der 50er Jahre durch ein neues Gebäude ersetzt wurde. Auf der Tafel steht: Die Altensteiner Höhle ist täglich in der Zeit von 6.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Führungen alle 10 Minuten, Dauer der Führungen 20 Min., Mindestbesucherzahl 5 Pers.

1998 beginnen Höhlenforscher des Thüringer Höhlenverein e. V. (THV) und der Mitteldeutschen Speleologischen Gesellschaft e.V. (MSG) zusammen mit der Gemeinde Schweina und dem Höhlenverein “Die Altensteiner 1799” Überlegungen anzustellen, welchen Beitrag die Höhlenforscher zur bevorstehenden Zweihundertjahrfeier leisten können. Die Mitglieder der MSG, hervorgegangen aus der schon genannten Sondershäuser Höhlenforschergruppe, führen den Plan der Höhle weiter, während die Höfos des THV versuchen, weiter vorzustoßen. Das gelingt unter der Führung von Uwe Peter (†2002) überraschend schnell. Es gelingt zunächst, enge Bereiche im Höhlenbach zu überwinden, an die sich ein Verbruchslabyrinth anschließt. Nach dem Verbruch finden die Höhlenforscher die Fortsetzung des Bachganges, das Foyer. Danach erreichen sie über einen Halbsiphon eine weitere große Halle, die nach dem Entdeckungszeitpunkt 199-Jahre-Halle genannt wird. Hier stellen sie zwei Bachzuflüsse fest.

Besonders anzumerken ist, daß ab dem Verbruch am Pik Otto in der Höhle ein überaus reicher Tropfsteinschmuck vorhanden ist. Später gelingt durch Suche von beiden Seiten auch noch die Entdeckung eines trockenen Weges durch den Verbruch, so daß die laufenden Forschungen unter deutlich günstigeren Bedingungen durchgeführt werden können. 1999 fand anläßlich des Höhlenjubiläums die 39. Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen-und Karstforscher in Schweina statt.

Die Vermessung und Dokumentation von zahlreichen Nebengängen wird weiter fortgesetzt, so daß sich die Höhlenlänge ständig vergrößert. Für 2003 haben sich die Höhlenforscher das Ziel gestellt, die 2000-Meter-Marke zu überschreiten.

Entwicklung der Längenangaben zur Höhle:

1799    400 Fuß (ca.130 m)
1802    500 Fuß (170 m)
1827    600 Fuß (200 m)
1980    600-650 m
1999  1352 m
2002  1661 m
2004  1960 m
2013  2040 m

Seit 1998 werden auch Untersuchungen durchgeführt, die dem Fossilinhalt des Höhlengesteins und der Geologie des Riffs gewidmet sind. Inzwischen wurden zahlreiche, meist ausgezeichnet erhaltene Überreste der Lebewesen des Riffes in der gesamten Höhle gefunden. Obwohl diese Untersuchungen noch längst nicht abgeschlossen sind (2004 wurden an der TU Bergakademie Freiberg 2 Diplomarbeiten zu diesem Thema geschrieben), können wir als Zwischenstand feststellen, daß die Höhle eine der bedeutendste Fossilfundstellen für die Lebewesen der permischen Riffe darstellt.

Die Geschichte der Höhle ist durch unterschiedlichste Postkartenausgaben dokumentiert. Einen Katalog zu den Höhlenpostkarten der Altensteiner Höhle finden Sie auf der Seite des Höhlenforscherclubs Bad Hersfeld.

Dieser Überblick wurde aus historischen Unterlagen zusammengestellt. Zu einigen Fakten existieren in den verschiedenen Quellen unterschiedliche Angaben. Die Aussagen der Quellen mußten dabei in einigen Fällen gewichtet werden. Unsichere Angaben sind mit (?) gekennzeichnet.
Wir sind uns bewußt, daß die im vorliegenden Text getroffene Auswahl der Höhlenfreunde, die namentlich genannt werden konnten, zu einem gewissen Grad willkürlich, weil an einzelne Fakten gebunden, sein muß. Wir möchten jedoch betonen, daß sich gerade die hier Genannten besondere Verdienste um die Höhle erworben haben.Dieser geschichtliche Überblick wäre ohne die Unterstützung durch zahlreiche Höhlenfreunde aus Schweina nicht in dieser Vollständigkeit möglich gewesen.Unser besonderer Dank gilt Frau Edith Raddatz, die mit ihren Archivarbeiten und den Transkriptionen alter Texte wesentlich zur Klärung wichtiger Fakten beigetragen hat.

 

Lage und Anfahrt
Die Altensteiner Höhle liegt am Südrand des westlichen Thüringer Waldes in Bad Liebenstein.
 
Altensteiner HöhleThüringen
Öffnungszeiten

Donnerstag 10 Uhr und 14 Uhr
Sonntag 10 Uhr und 14 Uhr

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Betreiber:
Bad Liebenstein Information
Telefon: 036961/69320
info@bad-liebenstein.de
www.bad-liebenstein.de

Die Altensteiner Höhle liegt nur noch bis zum Jahresende 2017 im

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Danach ist die 2015 durch den Stadtrat ausgesprochene Kündigung der Mitgliedschaft wirksam.